On the Beach - Das letzte Ufer 1959

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On the Beach - Das letzte Ufer


Allgemeines zum Film

Vor 13 Jahren habe ich den Roman "On the Beach" (1957) von Nevil Shute im Englischgrundkurs gelesen. Er legte für mich das Fundament einer Sammelleidenschaft aller Bücher, Filme, Videos etc. die sich mit dem Thema Endzeit beschäftigen. "On the Beach" lautet der Originaltitel dieses Klassikers von 1959, der 2004 als DVD in deutscher Sprache bei Metro Goldwyn Meyer erschien und die ich nun schon seit längerem mein Eigen nenne. Der Film wurde mit einem Staraufgebot gedreht. Es geben sich Gregory Peck, Fred Astaire, Ava Gardner und Anthony Perkins die Ehre. Der Film dauert 128 Minuten, ist im 4:3 Format und in Dolby Digital (Mono nachdigitalisiert) auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch aufgenommen. Untertitel gibt es Französischen, Niederländischen, Griechischen und Rumänischen und für Hörgeschädigte Englisch.

Inhalt

Die Atommächte der Welt haben sich einen allumfassenden Atomkrieg geliefert und gegenseitig vollständig vernichtet. Starke nukleare Strahlung hat die gesamte nördliche Hemisphäre unserer Erde unbewohnbar gemacht. Doch dies war nur der Anfang. Durch Wind und Wetter verteilt sich der tödliche Fallout nach und nach über den gesamten Erdball, so dass wenige Monate später jeder Ort der Erde tödlich verstrahlt sein wird. Captain Dwight Towers (gespielt von Gregory Peck) ist Kommandant des amerikanischen Atom-U-Bootes "Sawfish" und befand sich bei Ausbruch des Krieges auf hoher See vor Hawaii, so dass das Boot unbeschadet blieb. Nach dem Auftauchen stellten die Crew fest, dass die Oberflächenstrahlung absolut lebensfeindlich ist. Das Boot machte sich auf die Suche nach einem Platz, an dem es noch Leben gab und fand diesen an der Südküste Australiens, wo er einen Hafen anläuft. An dieser Stelle beginnt der Film. Die Menschen scheinen in Australien noch ein recht normales Leben zu führen. Benzin ist inzwischen rationiert und vor der australischen Nordküste hört man schon die ersten Berichte über den Ausbruch der Strahlenkrankheit. Der Kontakt zu einigen Städten ist bereits vollständig abgebrochen. Jeder ahnt, dass nur noch wenige Monate bleiben, bis die Strahlung auch den Süden Australiens erreicht und jedes Leben auslöschen wird. Trotzdem scheint jeder zu versuchen, das Leben möglichst normal weiterzuführen, solange dies noch möglich ist. Captain Towers bekommt den australischen Leutnant Holmes als Verbindungsoffizier zugeteilt, da die australische Marine die Amerikaner um eine Erkundungsmission mit der "Sawfish" ersucht (hierzu später mehr). Holmes und Towers verstehen sich auf Anhieb gut und Holmes läd Towers am Wochenende zu sich nach Hause ein. Towers stimmt zu. Holmes bekommt zuhause Schwierigkeiten mit seiner Frau Mary, da sie bereits nach dem Krieg Besuch von einem Amerikaner hatten, der vor Trauer um seine zerstörte Heimat und verlorene Familie zusammengebrochen ist. Sie befürchtet, dass mit Towers das selbe passiert. Holmes beschließt eine Party zu veranstalten und Holmes abzulenken. Gleichzeitig findet er eine Begleitung für Towers in Form von Moira (gespielt von Ava Gardner), die die letzten Monate nur noch auf Parties verbringt und das nahende Ende im Alkoholrausch ertränkt. Auf der Feier tritt auch erstmals Dr. Osborne (Fred Astaire) auf, der nach einigen Gläsern sehr eindeutig die dramatische Lage der Australier nüchtern und wissenschaftlich erläutert. Als er allen klarmacht, dass die Hintergrundstrahlung in dem Raum sich bereits verneunfacht hat, verlässt Frau Holmes weinend den Raum. Dr. Osborne entschuldigt sich bei den Anwesenden, macht aber auch klar, dass es keinen Sinn hat, sich vor der Wahrheit zu verstecken. Towers verbringt den Rest der Nacht mit Moira und er erzählt viel über seine Heimat und seine Familie. Er bleibt dabei cool und gelassen, gesteht aber auch, dass dies eine Fassade ist, um mit dem Geschehenen leben zu können. Letztlich ist er es, der Moira tröstet, denn diese ist verzweifelt und sauer auf ihr unstetes Leben und lebt mit der Gewissheit, zwar viele Liebhaber und Freunde zu haben, aber niemanden, der wirklich für sie da ist. Towers bringt sie irgendwann zu Bett und verlässt die Partie. Am nächsten Tag trifft sich Towers mit der Admiralität und bespricht die geplante letzte Mission der "Sawfish". Dr. Osborne und Holmes sind ebenfalls anwesend. Ein Wissenschaftler hat die Hypothese aufgestellt, dass die Strahlung zum Nordpol hin wieder abnehmen müsste, und das - wäre dies bewiesen - auch Hoffnung für die südliche Hemisphäre bestünde. Gleichzeitig hat man Funksignale von der Westküste der USA aufgefangen, obwohl man davon ausging, dass dort niemand mehr am Leben sei. Es handelt sich um Morsezeichen, die jedoch entweder kodiert oder völlig wirr gesendet wurden. Bis zum Beginn der Mission vergehen noch einige Tage und Towers verbringt noch Zeit mit Moira und der Familie Holmes. Moira verliebt sich in Towers, und auch dieser empfindet Sympathie für sie. Allerdings lehnt er eine Beziehung ab, da er den Verlust seiner Familie noch nicht verarbeitet hat. Holmes versucht in diesen Tagen bereits vorab die Giftpillen zu besorgen, die die Regierung bereit hält, sobald die Strahlung tödlich wird. Er will sie seiner Frau geben, damit sie sich und ihr kleines Kind von den Qualen der Strahlenkrankheit erlösen kann. Mit Mühen erhält er die Dosis, doch Mary Holmes weigert sich, auch nur über dieses Thema zu sprechen. An Bord der "Sawfish" geht neben Holmes auch noch der Wissenschaftler Dr. Osborne. Nach einigen Wochen erreichen sie den Nordpol und stellen fest, dass die Strahlung noch weiter gestiegen ist, als zu Beginn des Krieges. Eine weitere Hoffnung ist erloschen. Tage später erreicht das U-Boot San Franzisco und man findet eine tote und entvölkerte Stadt. Einige Kilometer weiter findet die Crew den Ausgangspunkt des Signals und erlebt eine Enttäuschung. Im Schutzanzug wird ein einzelner Matrose losgeschickt, um die Umgebung zu erkunden. Ein Kraftwerk war noch automatisch in Betrieb und hielt die Stromversorgung einer kleinen Anlage aufrecht. Der Matrose findet den Funkraum und..... an einem offenen Fenster hing an der Schlaufe einer Jalousie eine leere Coca-Cola-Flasche, die im unregelmäßigen Rhythmus des Windes den Schaltknopf eines Morsesenders betätigte...... Ernüchtert kehrt die Towers mit seiner Besatzung zurück nach Südaustralien, um die letzten Wochen seines Lebens dort zu verbringen. Die Wiedersehensfreude bei den Holmes ist groß, aber auch Captain Towers gibt sich seiner Zuneigung zu Moira (die auf ihn gewartet hat) hin, da er nun Gewissheit hat, dass seine Familie nicht mehr lebt. Sie verbringen die nächsten Wochen in harmonischer Zweisamkeit. Unter anderem besuchen sie aber auch den letzten Renn-Gran-Prix der Menschheit im Jahre 1964. Das Rennen gewinnt Dr. Osborne, der seine Leidenschaft nochmal voll ausleben möchte. Der Verlauf des Rennens ist dramatisch und viele Fahrer finden bei brutalen Crashs den Tod. Als die ersten Menschen erkranken, beschließt die Mannschaft der "Sawfish" zurück nach Amerika zu fahren und Towers stimmt als Kommandant zu. Moira erfährt von seiner Abreise und ist entsetzt. Sie verlässt das Haus der Holmes, in dem sie sich gerade aufhält. Dort behandelt ein Arzt gerade die strahlenkranke Tochter der Holmes und als die beiden alleine sind, erkennt Frau Holmes die Realität an und spricht sich mit ihrem Mann aus. Am Ende dieser Szene bittet sie ihn, um den Tee mit den Giftpillen, die er bereit stehen hat. Gemeinsam gehen sie in den Tod. Dr. Osborne dichtet zu dieser Zeit seine Garage luftficht ab, bringt seine Siegesplakette an seinem Rennwagen an, startet den Motor und erstickt freiwillig in den giftigen Abgasen. Moira erreicht kurz vor der Abfahrt der "Sawfish" Captain Towers und die beiden verabschieden sich voneinander. Bereits vom nahenden Tod gezeichnet fährt Moira mit ihrem Auto bis zum Ende der Hafenmole und winkt dem entschwindenden U-Boot zu. Dann nimmt auch sie die Giftpille. Die letzte Szene ist ein menschenleerer Platz in der Stadt und ein Banner einiger Gläubiger, die noch bis zum Ende gehofft hatten. Auf diesem Banner steht "There is still time, brother!" zu deutsch: "Du hast noch Zeit, Bruder!"

Fazit und Bewertung

Der Regisseur Stanley Kramer (Flucht in Ketten, Wer den Wind sät) und der Drehbuchautor John Paxton haben es geschafft, ein Buch nahezu perfekt zu verfilmen. Einschränkend muss man hierbei sagen, dass man dem Film den Einfluss des Hollywood-Glamours der 50er Jahre nicht ganz absprechen kann. Die Darsteller sind allesamt Stars ihrer Zeit, aber in solchen Rollen habe ich sie noch nie gesehen. Der Film ist brutal, rücksichtslos und endgültig. "Das letzte Ufer" ist bedrückend, kaum zu ertragen, und ich träume noch nach etlichen Jahren nach der Lektüre (der Romanvorlage im Englischunterricht) immer noch von der Geschichte und den beschriebenen Schicksalen. Die Verfilmung gibt dem Buch ein Gesicht und daher bewerte ich ihn wahrscheinlich noch höher als der Zuschauer, der die Vorlage nicht kennt. Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie den Film damals im Kino gesehen hatten, denn sie waren damals um die 20 und da hat man sich kaum einen Kinofilm entgehen lassen. Er war ihnen völlig unbekannt. Aber - so heißt es - dieser Film hat mit dazu beigetragen, dass es bei einem Kalten Krieg zwischen den Supermächten USA und UDSSR blieb. Jahrzehnte vor "The Day After" & Co. wurde ein finaler Weltuntergangsroman geschrieben und verfilmt. Vielen Zuschauern wurde damals erst bewusst, welche Gefahr von Atomwaffen ausgeht. Klar ist das langsame Fortschreiten einer nuklearen Strahlungsfront nicht in der beschriebenen Form real, aber es fehlten Nevil Shute 1957 einfach die Kenntnis, die wir inzwischen über Atomwaffen und deren Einsatzfolgen haben. Er nimmt sich die künstlerische Freiheit, Atombomben noch schlimmer zu machen als sie es sind (ist das möglich?). Wenn man sich aber noch Bio- oder Chemiewaffen dazu denkt, klingt Shutes Schreckensszenario gar nicht mehr so abwegig. Am Ende reitet nun mal nicht Grace Kelly mit Gary Cooper in den Sonnenuntergang. Es gibt kein Happy-End, sondern nur noch das endgültige und konsequente Ende der Menschheit. Die Beziehung, die sich zwischen dem Captain und Moira entwickelt ist alles andere als typisch für Filme dieser Zeit. Towers stellt seine Pflichten über seine persönlichen Wünsche und auch die unstete Moira respektiert am Schluss seine Entscheidung. Dieses Verhältnis spiegelt die Dramatik der Situation noch mehr wieder. Wer möchte, soll man den Namen "Moira" googlen und wird herausfinden, dass Shute seiner Protagonistin den Namen der griechischen Schicksalsgöttin gegeben hat. Am Ende überlebt niemand. Jeder stirbt und es gibt keine Hoffnung. Der Film beinhaltet mit seiner letzten Szene "There is still time, brother!" aber auch eine Aufforderung an alle Menschen, Länder und Regierungen, dass dieser Film nie wahr werden muss und dass noch immer genügend Zeit bleibt, einen atomaren Weltkrieg zu verhindern. Gerade angesichts der heutigen bedrohlichen Weltlage - vor allen Dingen in Bezug auf kleine Staaten, die in den Besitz von Atomwaffen gelangen - erhält der Film eine ungeahnte Aktualität fast 50 Jahre nach seinem Erscheinen. Wer sich gerne mal einen Schwarz-Weiß-Film von 1959 antut und dabei noch eine bewegende und mitreißende Story erleben will, der sollte sich diese DVD unbedingt besorgen oder darauf hoffen, dass der Film mal wieder im TV läuft. Außerdem empfehle ich jedem den Roman, der im Handel nach wie vor erhältlich ist. Alternativ wurde "Das letzte Ufer" in einer TV-Produktion vor ein paar Jahren unter dem Titel "U.S.S. Charleston" neu verfilmt und von RTL ausgestrahlt. Ich habe diesen Film leider noch nicht gesehen, aber er soll weitaus schlechter als das Original sein. Jeder Leser dieses Berichts möge es mir verzeihen, wenn ich an einigen Stellen etwas emotional werde, aber dieser Film bewegt wirklich. Wer an Film und Buch kommt, sollte sich beides ansehen bzw. lesen.

Postman