Threads

E N D Z E I T - F I C T I O N

Startseite

Bücher

Filme

Sonstiges

Autoren

Links


Threads


Dieser doch eher unbekannte Film aus den 80er Jahren zeichnet das Schreckenszenario eines Nuklearen Krieges zwischen der NATO und der Warschauer Pakt an dem Schicksal zweier Familien in der englischen Industriestadt Sheffield.
Der Einmarsch der Sowjet-Armee in den Iran ruft die USA auf den Plan, die zugunsten des Irans intervenieren. Es beginnt ein begrenzter Krieg im Persischen Golf. Bei einem Großangriff amerikanischer B-52 Bomber auf eine Sowjet-Basis wird von sowjetischer Seite mit dem Einsatz einer nuklearen Luftabwehrrakete der amerikanische Angriff abgewehrt. Die USA kontern daraufhin mit einem taktischen Nuklearsprengkopf auf die sowjetische Basis. In Europa sind die Menschen bezüglich des Konfliktes gespalten. Friedensbewegungen versuchen die NATO aus dem US-UDSSR-Konflikt herauszuhalten.
Die Ereignisse werden aus der Sicht eines jungen Paares und deren jeweiligen Familien beschrieben. Nach mehreren Tagen und immer weiter eskalierender Gewalt wird eine sehr starke Atombombe über der Nordsee zur Explosion gebracht. Der EMP (Elektromagnetische Impuls) zerstört sämtliche elektisch betriebene Geräte. Minuten später werden die ersten militärischen Ziele von Interkontinentalrakten zerstört. Eine Airbase ca. 30 km von Sheffield erhält einen Treffer und die Einwohner sehen den Atompilz aufsteigen. Die Druckwelle trifft die Stadt und richtet erste leichte Verwüstungen an. Nur Minuten später werden die strategischen Ziele, also Industrieanlagen und Städte getroffen. Sheffield vergeht im Nuklearen Feuer. Menschen verbrennen oder werden verschüttet. Die Familie von Ruth, der schwangeren Partnerin gelingt die Flucht in einen nur unzureichend geschützten Keller. Ihr Freund wird sofort getötet, die Eltern schwerstens verletzt. In den Stunden nach dem Atomkrieg in dem die Supermächte atomare Sprengkraft von 200 Megatonnen ausgetauscht haben, wird England von etlichen Sprengköpfen getroffen und massiv verwüstet. 95% aller Häuser sind direkt von den Auswirkungen der Explosionen betroffen.
In den nächsten Tagen und Wochen wird das grausige Schicksal der Menschen in beklemmenden Bildern gezeichnet. Die Eltern von Ruth sterben an der Strahlung oder werden von Plünderern ermordet. Ruth trifft auf ihrer Flucht aus der Stadt einen alten Bekannten und versucht zu überleben. In einer schrecklichen Szene schneiden die beiden mit einem Messer ein verendetes Schaf auf, essen das rohe Fleisch und fragen sich, woran das Tier wohl gestorben ist. Die verbleibende Regierungsgewalt wird der Katastrophe nicht lange hehr. Die Nahrungsvorräte sind schnell aufgebraucht und es gibt keine Hoffnung auf Hilfe von außerhalb. Es wird beschlossen zur Landwirtschaft zurückzukehren, damit zumindest das Überleben der Menschheit gesichert ist. Nahrung bekommt nur wer auch arbeitet. Kranke und Alte müssen verhungern. Ruth bekommt einige Monate später ein gesundes Baby. Es wird in der neuen Gesellschaft großgezogen. In den nächsten Jahren tritt der nukleare Winter ein. Die Menschen stumpfen ab. Die Bevölkerung Englands sinkt auf das Niveau des Mittelalters (etwa 10 Millionen). Ruth stirbt an den Entbehrungen. Ihre Tochter, die inzwischen 13 Jahre alt ist flüchtet aus dieser Gemeinschaft und lebt vom Diebstahl und von Plünderungen. Die Sprache beherrscht sie nur noch rudimentär, da ein vernünftiger Unterricht nicht gegeben wurde. Sie tut sich mit 2 Jungen zusammen und wir von einem schwanger. In der letzten Szene des Films gebährt sie ihr Kind in einem Behelfshospital. Mit dem Anblick des toten und von den Folgen der Strahlung völlig entstellten Säuglings endet der Film.
Threads ist absolut schonungslos und für mich die absolute Referenz für eine Verfilmung eines realistischen Endzeitszenarios. Der vom englischen BBC-produzierte Film ist sehr gut recherchiert und blendet während der einzelnen Szenen immer wieder Text- und Sprachinfos ein, die die Auswirkungen und Entwicklungen der Nachatomkriegszeit beschreiben. Der nukleare Winter wird sehr gut dargestellt. Der Zusammenbruch und die Verrohung und Verelendung der Gesellschaft wird glaubwürdig umgesetzt. Threads wurde - wie ich kürzlich erfuhr - in Deutsch synchronisiert und einmal unter dem Titel "Die Stunde Null" im deutschen TV gezeigt. Weitere Ausstrahlungen im deutschen TV gab es meines Wissens nicht.
Wer der englischen Sprache (mit Untertitel) mächtig ist, sollte sich dieses monumentale Mahnmal nicht entgehen lassen. Der Film ist auf DVD über einen bekannten Internethandel erhältlich.

Neben dem Film "Threads" wurden in den 80er Jahren noch zwei weitere beachtenswerte Filme zum Thema realer Atomkrieg gedreht. Stellt "Threads" die Ereignisse des Krieges aus europäischer Sicht dar, wird dies bei Briefe eines Toten aus sowjetischer und bei The Day After aus US-amerikanischer Sicht geschildert.
So wirkt "The Day After" wie eine typische Hollywood-Produktion. Dagegen ist "Briefe eines Toten" eher ein in schwart-weiss gehaltenes, beklemmendes und anspruchsvolles Gedankenspiel.

Alle drei Filme zusammen genommen stellen für mich die Referenz für filmische Darstellungen von Atomkriegen dar.